Masterplan "Neue Energie für das Saarland"

Im Juli 2011 hat die saarländische Landesregierung einen Masterplan für eine nachhaltige Energieversorgung im Saarland mit dem Titel "Neue Energie für den Zukunftsstandort Saarland" veröffentlicht. Das IZES war durch die wissenschaftliche Unterstützung des Herausgebers, dem Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, bei der Erstellung des Masterplans maßgeblich beteiligt.

Als Ausgangslage für die Betrachtung des Energieverbrauchs wurde eine Analyse der Entwicklungen seit dem Jahr 1990 in den Bereichen Primärenergieverbrauch, Endenergieverbrauch, Stromerzeugung und Stromverbrauch sowie der Entwicklung der CO2-Emissionen vorgenommen. Dabei wurden die Entwicklungen der einzelnen Verbrauchssektoren Industrie, Haushalte und Verkehr getrennt analysiert und die Situation mit dem Bundesdurchschnitt verglichen.

Als langfristige Zielgröße wird im Masterplan die Reduktion der CO2-Emissionen um 80% bis zu Jahr 2050 angestrebt. Dieses Ziel war auch schon im Koalitionsvertrag der Landesregierung festgeschrieben worden. Als mittelfristige Zielsetzung beinhaltet der Masterplan eine Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien auf 20% am Stromverbrauch bis 2020.

Die CO2-Emissionen im Saarland liegen weit über dem Bundesdurchschnitt. Dies ist unter anderem auf die besondere ausgeprägte energieintensive Industrie und den Umwandlungssektor zurückzuführen, die für die Wirtschaft der gesamten Bundesrepublik von Bedeutung sind. Um eine verursachergerechte Darstellung der klimarelevanten Lasten zu ermöglichen, wurde im Rahmen des Masterplans eine saarländische Verursacherbilanz entwickelt. Methodisch wurde dabei der Stromexport aus der Bilanz herausgerechnet und der Energieverbrauch der besonders energieintensiven Branche der Metallerzeugung und –verarbeitung auf den Bundesdurchschnitt normiert. Um den tatsächlichen Verlauf der CO2-Emissionen beurteilen zu können, wurde neben der Verursacherbilanz die international gängige Quellenbilanzierung parallel betrachtet. Kernstück bei der wissenschaftlichen Unterstützung des Masterplans von Seiten des IZES war die Erstellung von Szenarien für den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen des Saarlandes bis zum Jahr 2050. Insgesamt wurden drei Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen entwickelt, die die Bandbreite möglicher Entwicklungen für das Saarland abbilden. Die Szenarien unterscheiden sich in der Intensität der Energieeinsparungen durch Effizienzanstrengungen in allen Sektoren sowie im Energieträgermix. Das Referenz-Szenario unterstellt eine Weiterführung der aktuellen Energie- und Klimapolitik auf allen politischen Ebenen. Im Saarland ist in diesem Szenario ein Rückgang der CO2-Emissionenum 55% bis 2050 zu erwarten. Ein Klimaschutz-Szenario unterstellt weltweit vermehrte Klimaschutzanstrengungen mit entsprechend ambitionierteren europäischen und bundesdeutschen politischen Rahmenbedingungen. In diesem Szenario wird das 80% Reduktionsziel erreicht. In einem dritten, mit dem Titel „gehemmtes“ Szenario überschriebenen Pfad, wird unterstellt, dass die Effizienzbemühungen weniger stark ausfallen als im Referenzfall und die Klimaschutzziele mit einer Reduktion um 40% bis 2050 deutlich verfehlt werden. Den Szenarien liegen detaillierte Berechnungen des Energiebedarfs zugrunde, deren Eingangsparameter sich zum Teil deutlich unterschieden. Dies trifft zum Beispiel auf den Energiebedarf für die Raumwärmebereitstellung der privaten Haushalte infolge unterschiedlicher Sanierungstätigkeit sowie auf die Energieverbräuche in Industrie und Gewerbe zu, deren Nachfrage- und Produktionsstrukturen sich in den einzelnen Szenarien aufgrund der Effizienz- und Klimaschutzprioritäten unterschiedlich darstellen.

Um die Einflussmöglichkeiten der Landesregierung zu identifizieren, wurden im Masterplan auch die übergeordneten Rahmenbedingungen durch die EU und den Bund explizit berücksichtigt. Ausgehend vom Status-Quo wurden die Herausforderungen im Saarland beim Umbau der Energieversorgung zu einem weitgehend regenerativen Energiesystem herausgearbeitet. Die Perspektiven der erneuerbaren Energien im Bereich der Stromerzeugung wurden in separaten Potentialstudien für das Saarland von anderen Instituten im Auftrag des Umweltministeriums ermittelt, deren Ergebnisse ebenfalls in den Masterplan eingeflossen sind.

Ausgehend von den Herausforderungen im Saarland unter Berücksichtigung der Einflussmöglichkeiten auf Landesebene wurde im Vorbereitungsprozess der Masterplanerstellung vom IZES ein Maßnahmenkatalog entwickelt. Die im Masterplan der Landesregierung veröffentlichte Umsetzungsstrategie ist im Konsultationsprozess zwischen dem Umweltministerium und den Koalitionspartners beschlossen worden. Die Beteiligung des IZES für diesen politischen Teil des Masterplans war lediglich beratender Natur. 

Die Umsetzungsstrategie der Landesregierung setzt sich aus bereits kürzlich in Kraft gesetzten Maßnahmen, wie die Änderung des Landesentwicklungsplans und der Auflegung des Förderprogramms „Klima Plus Saar“, und der Ankündigung von neuen Initiativen zusammen. Hier sind beispielsweise das geplante saarländische Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz und die Gründung einer Klimaschutzagentur zu nennen. Schließlich gelobt die Landesregierung mit gutem Beispiel voranzugehen, insbesondere was die energetische Sanierung der landeseigenen Gebäude angeht.

Positiv bewertet das IZES die Aufnahme des aus diesem Hause vorgeschlagenen regelmäßigen Monitorings in den Masterplan, mit dem der Erfolg der Maßnahmen bewertet und die Konformität des Entwicklungspfades mit den Zielen beurteilt werden kann.

Die offizielle vom Umweltministerium veröffentliche Version des Masterplans in Kurz- und Langfassung findet sich auf der Internetseite des Ministeriums unter den folgenden Links:

 

Laufzeit: 
09/2010 bis 03/2011