Das Arbeitsfeld Stoffströme
Prof. Frank Baur
Stoffstrommanagement setzt im Hinblick auf ökologische und ökonomische Optimierungs- und Wertschöpfungspotenziale eine detaillierte Kenntnis von Stoff- und Materialströmen voraus. Es ist ausgerichtet an der Maxime der Nachhaltigkeit und berücksichtigt räumliche, soziale, ökologische und wirtschaftliche Kriterien. Die energetische und die stoffliche Biomassenutzung sind dabei neben klassischen Bereichen, wie z.B. der Kreislaufwirtschaft, als ein Teilsegment eines integrierten Stoffstrommanagements zu sehen.
Im Kontext nationaler bze. internationaler Zielsetzungen sind wir vorwiegend auf regionale / kommunale Untersuchungsansätze ausgerichtet und verstehen uns dabei als Mittler zwischen "top down-" und "bottom up-"Strategien. In diesem Zusammenhang bearbeiten wir strategische Fragestellungen hinsichtlich des des Stoffstrommanagements, des Ressourcenmanagements, des Umsetzungsbezuges sowie der ökologischen, ökonomischen und rechtlichen Bewertung von Strategien und Systemlösungen. Unser Forschungsinteresse bezieht sich dabei insbesondere darauf, ein tiefes Verständnis für Wirkungen und Wechselwirkungen bei der Umsetzung regionaler Stoff- und Energiesysteme zu erlangen.
Vor diesem Hintergrund bearbeiten wir derzeit schwerpunktmäßig folgende Bereiche:
- Analyse, Bewertung und Optimierung von Prozessketten, Stoffströmen und Flächennutzungskonzepten im Bereich Biomasse (energetischer und stofflicher Bezug)
- Erstellung von Ökobilanzen, Lebensweganalysen und Carbon Footprintanalysen, Berechnung von THG-Minderungspotenzialen
- Aufbau, Analyse und Pflege von Akteursnetzwerken
- Forschung zu Fragen der kommunalen Klimaschutzbestrebungen sowie Erstellung von Klimaschutzkonzepten, Z.B. im Rahmen der Klimaschutzinitiative des BMU
- Aufbau, Monitoring und Evaluation dezentraler Energiemanagement
- Entwicklung und Bewertung regionaler Kreislaufwirtschafts(Abfall)- und Bioenergiestrategien für Kommunen, Landkreise und Bundesländer sowie in Entwicklungs- und Schwellenländern
- Abgleich und Verbindung der regionalen und nationalen Planungsinteressen im Bereich Biomasse und Kreislaufwirtschaft
- Rechtlich, ökonomisch und technisch ausgerichtete Studien zu Bioenergieprojekten, z.B. im Sinne einer Initiierung, Unterstützung und wissenschaftlichen Begleitung von konkreten Umsetzungen
- Versuchsanlage zur Aufbereitung und Analyse fester Biomasse
- Versuchsfermenter zur Vergärung und Analyse von Biomasse
- Rechnergestützte Datenverarbeitung und Szenarienmodellierung u.a. mit der Software umberto ® bzw. geografischen Informationssystemen
Zu den Arbeiten zählt neben der Entwicklung von Strategien und Konzepten auch die Initiierung, Betreuung und wissenschaftliche Begleitung von Projektumsetzungen sowie der Aufbau von zum Teil grenzüberschreitenden Netzwerken zur Umsetzung von projekten in den Bereichen Biomasse, Sekundärrohstoffe und kommunaler Klimaschutz.
Neben den öffentlichen Datenbank nutzen wir auch eigene Datensammlungen zu verschiedenen Themen wie Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Biogas, Sekundärrohstoffe/Kreislaufwirtschaft, Nahwärme und Emissionen.
Neben Projekten in Deutschland bearbeiten wir unterschiedliche Themenstellungen in europäischen Verbundprojekten (z.B. im Rahmen der North-West-Europe biomass strategy initiative from the Interreg IV b programm) sowie weltweit mit den Schwerpunkten Asien und Afrika.
Beispiele unserer Arbeit
KomInteg - Nachhaltige Integration von Bioenergiesystemen im Kontext einer kommunalen Entscheidungsfindung
Kommunale Stoff-
und Energieströme werden bislang vielerorts nur unzureichend genutzt, obwohl die
Nutzungspotenziale in den Kommunen allseits bekannt sind. Woran dies genau
liegt und inwiefern die Kommune v.a. als verantwortlicher Entscheidungsträger für
die Flächennutzungs- und Bauleitplanung auf die optimale Nutzung der
vorhandenen Biomassepotenziale Einfluss nehmen kann, möchte das Projekt KomInteg
beleuchten. [Projekthomepage]
Ansprechpartner: Florian Noll
INEMAD - Improved Nutrient and Energy Management through Anaerobic Digestion
Das EU-Projekt INEMAD analysiert Energie- und Materialflüsse im
Agrarsektor und zeigt neue Wege für das Zusammenspiel zwischen Tier- und
Pflanzenproduktion auf. Aktuelle Informationen finden Sie auf unserer Projekthomepage!
Ansprechpartner: Claudia Ziegler
ARBOR - Strategischer Ausbau der Bioenergienutzung in Nord-West-Europa durch regionale Inwertsetzung biogener Reststoffe
Das INTERREG IV B - Vorhaben untersucht den aktuellen Stand sowie die vorhandenen Optimierungspotenziale hinsichtlich der Bioenergienutzung in Nord-West-Europa unter besonderer Berücksichtigung der biogenen Reststoffe, auch in Hinblick auf eine ggf. strategische Neuausrichtung. ARBOR wird mit 14 weiteren Partnern aus Europa ausgeführt und von Einrichtungen aus der Schweiz und Frankreich als sog. Observer begleitet. Aktuelle Informationen zum Projekt
Ansprechpartner: Katja Weiler
Konzeptionierung des Biomassehofes Königs Wusterhausen
Ein Biomassehof übernimmt die Aufgabe einer lokalen Sammel-, Sortier- und Aufbereitungseinheit, um regional verfügbare Rohstoffe wie Holz aus dem Wald, der Biotop- und Landschaftspflege sowie aus der kommunalen Grünpflege nutzbar zu machen und stellt damit eine Verbindung zwischen Rohstoffanbietern und -abnehmern her. Die Studie untersucht u.a. die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen eines Biomassehofes. [Link zur Projekthomepage]
Ansprechpartner: Sonja Kay, Bernhard Wern
Regionale Konzepte zum Ausbau der Bioenergieerzeugung aus Holz - nachhaltige und energieeffiziente Strategieentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Holzkaskadennutzung
Ansprechpartner: Frank Baur, Bernhard Wern
Klimaschutzkonzepte für Städte und Gemeinden
Aktuelle Beispiele sind die Klimaschutzkonzepte für die Kreisstadt Merzig und die Stadt Ottweiler.
Ansprechpartner: Frank Baur, Katja Weiler, Florian Noll, Sonja Kay
Ansprechpartner: Frank Baur, Beate Faßbender, Mikael Springer
IGNIS - Income generation & climate protection by valorising municipal solid wastes in a sustainable way in emerging-mega-cities, Addis Ababa, Ethiopia
Unhygienische Lebensbedingungen, Ressourcenverschwendung sowie klimaschädliche Emissionen sind in den (Mega-)Städten der meisten Entwicklungsländer an der Tagesordnung. Das übergeordnete Ziel des Projektes besteht darin, durch einen praxis- und anwendungsorientierten Ansatz ein integriertes Abfallmanagementsystem in Addis Abbaba zu manifestieren, bei besonderer Beachtung der Erfahrungen, Kenntnisse und Bedürfnisse der einzelnen Akteure. Integraler Bestandteil ist hierbei die Inwertsetzung von Sekudärrohstoffen zur Erzeugung von nachhaltigen Einkommensstrukturen. Dies umfasst die Entwicklung und Anwendung angepasster Technologien, ein umweltschonendes und nachhaltiges Abfallmanagement, wirtschaftlich tragfähige Verwertungsstrukturen und -strategien sowie sozialverträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen der involvierten Akteure. [Link zur Projekthomepage]
Ansprechpartner: Frank Baur, Mike Speck, Michael Porzig
Leiter des Arbeitsfeldes
Prof. Frank Baur
Tel.: 0681 / 9762 859
E-mail:baur@izes.de


